Stausee Obermaubach

Stausee Obermaubach

Sanierung des Staubeckens Obermaubach

Nach über 70-jährigem Betrieb des Staubeckens Obermaubach nimmt der Wasserverband Eifel-Rur im Jahre 2007 eine umfangreiche Sanierung des Beckens vor und stellt die ökologische Durchgängigkeit des Gewässers wieder her. Grundlage der Ermittlung des Sanierungsbedarfes war eine Vertiefte Überprüfung der Anlage nach den §§ 105 und 106 Landeswassergesetz. Ziel ist es dabei nicht nur, schadhafte Bauteile auszubessern und zu erneuern, sondern Anlagenteile auch an die heute gültigen, allgemein anerkannten Regeln der Technik anzupassen.

"feste Wehrschwelle quer"

Sanierung des Staubeckens Obermaubach beendet - Gewässer wieder durchgängig für Fische (Pressebericht des WVER vom 19.05.2008)


**Sämtliche Bilder und Grafiken unterliegen dem Copyright des WVER**

Der Wasserverband Eifel-Rur hat seit Mai 2007 das Staubecken Obermaubach saniert. Grundlage der Ermittlung des Sanierungsbedarfes war eine Vertiefte Überprüfung der Anlage nach den §§ 105 und 106 Landeswassergesetz.

Ziel war es dabei nicht nur, schadhafte Bauteile auszubessern und zu erneuern, sondern Anlagenteile auch an die heute gültigen, allgemein anerkannten Regeln der Technik anzupassen.

Zugleich wurde zeitgleich eine Fischaufstiegs- und -abstiegsanlage eingerichtet, die die ökologische Durchgängigkeit des Gewässers wieder herstellt.
"feste Wehrschwelle längs"

Folgende Maßnahmen wurden ausgeführt:

Verankerung der festen Wehrschwelle im Untergrund

Die Wehranlage, die im alten Flussbett der Rur steht, ermöglicht im Bedarfsfall durch zwei verstellbare Stauklappen („Fischbauchklappen“) auf einer festen Wehrschwelle eine schnelle Abgabe sehr großer Wassermengen aus dem Staubecken, um ein Überströmen des Dammkörpers zu vermeiden.

Der Auftriebskraft durch die natürliche Unterströmung der festen Wehrschwelle wirkt diese durch ihr Eigengewicht entgegen. Nach den heute gültigen Anforderungen war das Gewicht der Wehrschwelle in Obermaubach aber nicht ausreichend.

Aus diesem Grund wurde die feste Wehrschwelle mit Hilfe von 20 Dauerankern im Felsuntergrund verankert. Zur gleichmäßigen Verteilung der Ankerkräfte auf die ganze Breite der Wehrschwelle wurde sie teilweise abgetragen und durch einen Lastverteilungsbalken ersetzt.
Plan Fischtreppe
Sanierung der Bausubstanz der Wehrpfeiler

Auf den die feste Wehrschwelle begrenzenden Wehrpfeilern stehen die Windwerkhäuser, von denen aus die Stauklappen mit den markanten Zahnstangen bewegt werden können. Die Bausubstanz dieser Pfeiler wies nach über 70 Jahren Bestand Schäden an den Wandungen auf. Zur Erhaltung waren hier Instandsetzungsarbeiten erforderlich.

Arbeiten an den Grundablässen

Die Wehranlage des Staubeckens verfügt über zwei so genannte Grundablässe, aus denen Wasser aus dem unteren Bereich des Staubeckens abgegeben werden kann. Einer der beiden Grundablässe (GA 1) verläuft durch den flussabwärts gesehen rechten Wehrpfeiler, der andere (GA 2) auf der rechten Seite der festen Wehrschwelle.

Nach heutigen Anforderungen werden Grundablässe mit zwei Schützen verschlossen. Der Grundablass 1 verfügte aber nur über ein Schütz. Hier musste ein zweites hinzugefügt werden. Es wurde an der Wasserseite vorgesetzt. Der Grundablass 2 verfügte zwar über zwei Schütze, jedoch waren hier die Schütztafeln erneuerungsbedürftig.

Dichtungserneuerung und Korrosionsschutz

Die Stauklappen wurden mit einem neuen Korrosionsschutz und mit neuen Dichtungen versehen. Mit der Demontage der Dichtungen, die nur im Rahmen einer vollständigen Absenkung des Staubeckens erfolgen konnten, wurden unerwartet starke Korrosionserscheinungen an der Scharnierlagerung der Klappen festgestellt. Hierdurch entstand ein zusätzlicher Erneuerungs- und Sanierungsbedarf, der zusätzlich innerhalb des engen Bauzeitplans vorgenommen werden musste.
Grußworte während der Eröffnungsfeier
Sanierung der wasserseitigen Dammböschung und der luftseitigen Drainageschächte

Der Dammkörper ist zum Schutz gegen Wellenschlag auf der Wasserseite mit einer Steinpflasterung (Stickung) versehen. Diese wies durch verschiedenste Einflüsse bereichsweise Fehlstellen auf, die im Zuge der Sanierung erneuert werden mussten.

Im Dammkörper befinden sich auf der Luftseite Drainageleitungen zur Sickerwassersammlung. Dadurch wird das im Untergrund strömende Sickerwasser abgeleitet, das ansonsten einen Auftrieb erzeugt und dadurch die Standsicherheit des Dammes gefährden könnte.

Die Bausubstanz der Kontrollschächte zu den Drainageleitungen bedurfte ebenfalls einer Instandsetzung.

Dammkronenstraße

Die Situation auf der Dammkronenstraße war gekennzeichnet durch eine mittige Fahrbahn und sehr schmalen Bürgersteigen links und rechts. Dies erschwerte zum einen ein Ausweichen bei Gegenverkehr, zum anderen sahen sich aber auch Fußgänger gezwungen, auf die Fahrbahn auszuweichen. Straße und Bürgersteig wurden nun ebenerdig gestaltet. Dies schuf die Möglichkeit zur Schaffung eines breiteren Fußwegs, der optisch durch eine rotfarbige Pflasterung von der Fahrbahn unterschieden ist. Ebenso wurden über die Dammkrone über den Seekörper auskragende Betonplattformen angelegt, die mit Bänken bestückt zum Verweilen und Betrachten des Sees einladen.
Dammkronenstraße des Staubeckens wird eröffnet
Revision des Kraftwerks

Die RWE Power AG als Inhaberin des Wasserkraftwerks nutzte die Zeit der Sanierungsarbeiten am Damm auch ihrerseits zu einer Überprüfung der Heberleitung und der Turbine.

Schwierigkeiten bei der Bauausführung

Um die Arbeiten an der Wehrschwelle, an den Wehrpfeilern, an den Grundablässen und an den Stauklappen durchführen zu können, musste der See abgesenkt werden. Die Absenkung erfolgte ab dem 21. Mai 2007 und sollte eine Woche in Anspruch nehmen. Dabei kam es gegen Ende der Absenkung zu einem unerwartet hohen Sedimentabtrieb in den Unterlauf. Die Rur, die nun das entleerte Staubecken wieder ungebremst durchfloss, hatte diese Sedimente, die sich im Staubecken über die Jahrzehnte seines Betriebs angesammelt hatten, mitgerissen.

Die mitgerissenen Sedimente führten durch Ablagerungen zu erkennbaren Schäden an der Gewässerflora und Fauna bis nach Kreuzau.

Die Rur wurde daraufhin einer genauen und dauerhaften Untersuchung unterzogen. Ebenso wurde in den Rurverlauf im Staubecken vor der Wehrschwelle ein Steinschüttdamm eingezogen, hinter dem sich das Wasser wieder bis zu einer bestimmten Höhe einstauen und den Lauf des Flusses wieder verlangsamen konnte. Dadurch wurde ein weiterer Sedimentaustrag aufgehalten.

Unmittelbar unterhalb der Wehrschwelle hatte sich in der Rur eine große Sedimentbank abgelagert. Diese wurde abge spundet, um ein weiteres Abtreiben in die Rur zuverhindern. Die eingespundeten Sedimente wurden schließlich aus dem Fluss entfernt. Ein weiteres Problem stellte die äußerst regenreiche Witterung in den Sommermonaten Juli, August und September dar. Durch anhaltende Regenfälle musste aus der Rurtalsperre Schwammenauel eine erhöhte Wasserabgabe getätigt werden. Hierzu mussten die Bauablaufpläne mehrfach umgestellt werden.
Die neugestaltete Dammkronenstraße des Staubeckens Obermaubach
Darüber hinaus führten die erhöhten Abgaben zeitweise zu einem zu hohen Wasserstand an der Baustelle in Obermaubach, wodurch es zu Verzögerungen kam. Die Arbeiten am Grundablass I konnten so nicht mehr "im Trockenen" ausgeführt, sondern mussten durch Taucher im ab Oktober wieder eingestauten Staubecken unter Wasser erledigt werden.

Herstellung der ökologischen Durchgängigkeit

Staubauwerke sind zwar attraktive touristische Anziehungspunkte, stellen aber einen massiven Eingriff in die so genannte ökologische Durchgängigkeit dar. Das Land Nordrhein-Westfalen hat in seinem Wanderfischprogramm das Ziel formuliert, Gewässer wieder durchgängig zu machen, etwa für Fische wie den Lachs. Dieser war in früherer Zeit auch in den Gewässerstrecken oberhalb der heutigen Talsperren heimisch.

Das Land NRW hatte deswegen Fördermittel bewilligt, um am Staubecken Obermaubach einen Fischauf- und -abstieg zu errichten. Diese Maßnahme wurde zeitgleich mit der Dammsanierung durchgeführt.

Erfahrungen zeigen, dass Fische sich bei ihren Wanderungen an den Strömungsverläufen orientieren. Dies gilt sowohl flussabwärts wie auch flussaufwärts. Am Staubecken Obermaubach wird eine dauerhafte Strömung bis 11 m³ / sec ausschließlich durch die Abgabe von Wasser über das Wasserkraftwerk erzeugt. Deswegen werden Anfangs- und Endpunkt des Fischpasses auch am linken Ufer im Kraftwerksbereich positioniert. Am Ufer des WVER-Betriebsgebäudes entstand der obere Einlauf bzw. Auslauf in den Fischpass.
Durch den Raugerinnebeckenpass können Wanderfische nun das Absperrbauwerk des Staubeckens umgehen.
Dieser wurde dann bis auf die Höhe der alten Esskastanie auf der anderen Straßenseite geführt und unterquert dort die Seestraße. Auf der anderen Seite läuft der Pass um die alte Esskastanie herum und schlängelt sich leicht mäandrierend bis zur Rur zurück. An der Uferböschung läuft er parallel zum Fluss flussabwärts, macht eine Kehre und führt wieder zurück bis zum Kraftwerk. In der Kehre unterquert er den Zufahrtsweg zum Wasser kraftwerk, der erhalten bleiben muss, um im Sanierungsfall größere Bauteile an das Kraftwerk heran fahren zu können (etwa beim Austausch der Turbine). Die Streckenführung ist notwendig, um auf einem 230 Meter langen Gesamtweg eine Höhendifferenz von 6,70 zu überwinden. Der Fischpass besteht ab Einlauf See bis zur alten Esskastanie zunächst aus einer Betonführung. Diese folgt bis zum Wiedereintritt in die Rur ein so genannter Raugerinnebeckenpass (170 Meter der Gesamtstrecke). Er setzt sich aus nacheinander geschalteten Einzelbecken zusammen, die jeweils einen Höhenunterschied von 15 cm haben. Als Abgrenzung wurden Steine mit Zwischenräumen gesetzt, durch die das Wasser jeweils ins nächste Becken fließt und Fische auf- und absteigen können. In den kleinen Becken sind auch Ruhezonen, in denen die Tiere Erholungspausen einlegen können.

Aus dem Stausee wird der Fischpass ständig mit Wasser beschickt. Das Betongerinne im oberen Teil des Fischpasses liegt teilweise drei Meter tief in der Erde und ist durch Geländer gesichert. Im Bereich der alten Esskastanie wurde ein Beobachtungsplatz eingerichtet. Dort kann man durch ein Sichtfenster im Betongerinne in den Fischpass hineinsehen und eventuell auf- oder absteigende Fische beobachten.

Auf der Höhe des WVER-Betriebsgebäudes wurde am Fischpass eine Zählstation angebracht, mit der sich die Annahme der Anlage durch wandernde Fische dokumentieren lässt.
Kosten der Maßnahme:

Für die Sanierungsarbeiten des Staubeckens fielen insgesamt Kosten in Höhe von 1,8 Millionen Euro an. Rund 400.000 Euro Kosten verursachten die Maßnahmen nach dem Sedimentabtrieb bei der Absenkung des Beckens (Einbau des Steinschüttdammes, Einspundung und Entfernung der Sedimentbank).

Die Herstellung der Fischaufstiegs- und –abstiegsanlage lag bei 1,7 Millionen Euro.
 
Dammkronenstraße des Staubeckens wird eröffnet
Dammkronenstraße des Staubeckens wird eröffnet

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